Bauaufzüge

Sicherheitseinrichtungen am Bauaufzug: Die 9 Systeme, die jeder Bauaufzug braucht

Die 9 Sicherheitseinrichtungen am Bauaufzug: Fangvorrichtung, Überlast, Türverriegelung, Endschalter, mechanische Sicherungen, Puffer, Notablass u. a.

Ein Bauaufzug befördert Menschen und schwere Lasten an einer temporären Konstruktion, unter freiem Himmel, auf einer Baustelle, die sich jede Woche verändert. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die europäischen Konstruktionsregeln (EN 12159, im Rahmen der Maschinenrichtlinie) verlangen deshalb mehrere unabhängige Schutzebenen: Ein System verhindert die gefährliche Situation, ein anderes begrenzt die Folgen, falls das erste versagt.

In diesem Artikel geht es um die Maschine: die Einrichtungen, die konstruktiv im Aufzug stecken. Für die Seite der Menschen (sicheres Ein- und Aussteigen, Etagentüren, Beladen und Verhalten im Notfall) lesen Sie Wo steigt man in einen Bauaufzug ein und aus?

Er erklärt die neun serienmäßig eingebauten Sicherheitssysteme unseres Personen- und Lastenaufzugs SM-GTP-101. Zu jedem beschreiben wir die abgedeckte Gefährdung, die Funktionsweise und das, was die Baustellenteams prüfen sollten. Die Liste ist ein brauchbarer Maßstab für jeden Aufzug, den Sie vergleichen.

Kurzübersicht: die 9 Standardsysteme

01 Fangvorrichtung · 02 Überlastschutz · 03 Türverriegelungen · 04 End- und Notendschalter · 05 Mechanische Sicherungen · 06 Pufferfedern · 07 Notablass · 08 Dachluken-Verriegelung · 09 Not-Halt und Dachgeländer

Wie die Schutzebenen zusammenwirken

GefährdungVerhindern (erste Ebene)Schützen (zweite Ebene)
Fahrkorb stürzt ab oder fährt zu schnellZwei Motoren, jeder mit eigener Federdruckbremse01 Fangvorrichtung
Überladung02 Überlastsensor sperrt die FahrtKonstruktive Sicherheitsreserven
Personen werden vom fahrenden Fahrkorb erfasst03 Türverriegelungen, Bodenumwehrung09 Not-Halt
Fahrkorb überfährt oben oder unten04 Endschalter04 Unabhängiger Notendschalter, 06 Puffer, Mastkopfelement
Fahrkorb löst sich vom Mast / Ritzel springt aus der ZahnstangeFührungs- und Andruckrollen05 Mechanische Sicherungen
Stromausfall mit Personen an BordBremsen halten den Fahrkorb07 Manueller Notablass
Arbeiten auf dem Fahrkorbdach08 Lukenverriegelung09 Not-Halt auf dem Dach und Geländer

01 Fangvorrichtung (die „Fangbremse“)

Gefährdung: unkontrollierte Abwärtsfahrt nach einem Versagen im Antriebsstrang (Getriebe, Welle, Kupplung) oder an den Bremsen.

Funktionsweise: Die Fangvorrichtung ist eine eigenständige Fangeinrichtung an der Antriebseinheit mit eigenem Ritzel, das an der Mastzahnstange läuft, unabhängig von den Antriebsritzeln. Überschreitet die Abwärtsgeschwindigkeit des Fahrkorbs die Auslösegrenze der Vorrichtung, blockiert sie und bringt den Fahrkorb am Mast kontrolliert zum Stehen. Ein integrierter Überwachungsschalter unterbricht im selben Moment die Antriebsenergie, damit die Motoren nicht gegen die Vorrichtung arbeiten.

Was zu prüfen ist: Die Fangvorrichtung ist ein baumustergeprüftes Sicherheitsbauteil. Sie ist verplombt und muss in den vom Hersteller und von den örtlichen Vorschriften vorgegebenen Abständen geprüft und ausgetauscht werden. Viele Länder schreiben eine regelmäßige Fangprobe durch eine befähigte Person vor. Siehe unsere Leitfäden für Deutschland, die Türkei und Brasilien (NR-18). Öffnen oder verstellen Sie die Vorrichtung niemals auf der Baustelle.

02 Überlastschutz

Gefährdung: Eine Überladung des Fahrkorbs beansprucht Antrieb, Bremsen, Zahnstange, Mast und Verankerungen über ihre Auslegungsreserve hinaus. Sie gehört zu den häufigsten Fehlanwendungen auf der Baustelle.

Funktionsweise: Ein Kraftmessbolzen in der Fahrkorbaufhängung misst die Last kontinuierlich. Oberhalb der Nennlast (2.000 kg beim SM-GTP-101) ertönt ein akustischer Alarm, und die Fahrt wird gesperrt, bis die Überlast entfernt ist. Ein optionales Lastmess- und Anzeigesystem zeigt dem Bediener die tatsächliche Last an.

Was zu prüfen ist: Alarm und Abschaltung sollten bei der Inbetriebnahme und bei jeder wiederkehrenden Prüfung mit einer bekannten Prüflast auf Funktion getestet werden. Verteilen Sie Lasten gleichmäßig auf dem Fahrkorbboden, und lassen Sie Lasten nie durch die Türen herausragen.

03 Türverriegelungen

Gefährdung: Absturz einer Person von einer Haltestelle oder aus dem Fahrkorb oder Anstoßen durch den fahrenden Fahrkorb.

Funktionsweise: Jede Fahrkorbtür und die Tür der Bodenumwehrung haben einen elektrischen Verriegelungsschalter. Der Fahrkorb kann nur fahren, wenn alle Türen geschlossen und bestätigt sind. Auf Bodenniveau ist die Umwehrungstür zusätzlich mechanisch verriegelt, sodass sie sich nur öffnen lässt, wenn der Fahrkorb an der untersten Haltestelle steht.

Was zu prüfen ist: Prüfen Sie jede Tür täglich. Bei geöffneter Tür darf der Fahrkorb nicht auf die Steuerbefehle reagieren. Etagentüren in den oberen Geschossen verlangen dieselbe Disziplin: Sie gehören zur Anlage und müssen geschlossen bleiben, wenn der Fahrkorb nicht dort steht.

04 Endschalter und Notendschalter

Gefährdung: Der Fahrkorb überfährt das Mastende oder schlägt am Fuß auf.

Funktionsweise: Betriebsendschalter stoppen den Fahrkorb automatisch am oberen und unteren Ende seines Arbeitswegs. Ein unabhängiger Notendschalter, der separat betätigt wird, schaltet die Energie ab, falls der normale Endschalter versagt. Ein Kopfelement am Mast bietet zusätzliche bauliche Sicherheit oberhalb der höchsten Haltestelle.

Was zu prüfen ist: Setzen Sie nach jeder Masterhöhung den oberen Endschalternocken neu und prüfen Sie den Notendschalter, bevor der Aufzug wieder in Betrieb geht. Ein Mast, der schneller wächst als seine Endschaltereinstellungen, ist eine klassische Unfallursache.

05 Mechanische Sicherungen

Gefährdung: Der Fahrkorb löst sich vom Mast, oder die Antriebsritzel kommen außer Eingriff mit der Zahnstange, etwa nach einem Rollenschaden.

Funktionsweise: Mechanische Rückhalteeinrichtungen an der Antriebseinheit verhindern physisch, dass der Fahrkorb vom Mast abkommt, und halten die Ritzel im Eingriff – selbst wenn eine Führungs- oder Andruckrolle versagt.

06 Pufferfedern

Gefährdung: Aufprall an der untersten Haltestelle, wenn der Fahrkorb den unteren Endschalter überfährt.

Funktionsweise: Puffer am Grundrahmen nehmen die Energie des Fahrkorbs auf und bremsen ihn ab.

Was zu prüfen ist: Die Puffer liegen innerhalb der Bodenumwehrung, einem Bereich, der frei von Material und Schutt bleiben muss. Prüfen Sie sie auf Beschädigung und Alterung.

07 Notablass

Gefährdung: Personen sitzen nach einem Stromausfall in einem zwischen zwei Geschossen stehenden Fahrkorb fest.

Funktionsweise: Die Federdruckbremsen halten den Fahrkorb, sobald die Energie wegfällt. Eine manuelle Bremslüftung ermöglicht es einer unterwiesenen Person, die Bremsen kontrolliert zu lüften, sodass der Fahrkorb zur nächsten Haltestelle absinkt. Die Geschwindigkeit wird dabei weiterhin von der Fangvorrichtung überwacht.

Was zu prüfen ist: Weisen Sie die Bediener ein und hängen Sie das Rettungsverfahren gut sichtbar aus. Fahrgäste sollten niemals versuchen, einen zwischen den Haltestellen stehenden Fahrkorb zu verlassen. Siehe den Notfallabschnitt unseres Leitfadens zur Sicherheit beim Ein- und Aussteigen.

08 Dachluken-Verriegelung

Gefährdung: Eine Person auf dem Fahrkorbdach (bei Montage, Inspektion oder Notausstieg) ist gefährdet, während der Fahrkorb im Normalbetrieb fährt.

Funktionsweise: Das Öffnen des Notausstiegs unterbricht die Motorenergie. Der Aufzug kann nicht normal aus dem Fahrkorb heraus gefahren werden, solange sich jemand auf dem Dach befinden könnte.

09 Not-Halt und Dachgeländer

Gefährdung: jede Situation, in der die Maschine sofort angehalten werden muss.

Funktionsweise: Not-Halt-Taster im Fahrkorb und am Dachsteuerstand stoppen jede Bewegung. Sie sind nach EN ISO 13850 (Not-Halt-Funktion) ausgelegt. Ein Geländer rund um das Fahrkorbdach schützt Montage- und Servicepersonal bei Arbeiten in der Höhe.

Die Normen hinter diesen Einrichtungen

NormGeltungsbereich in Kürze
EN 12159Produktnorm für Bauaufzüge für Personen und Material mit senkrecht geführten Fahrkörben
EN ISO 12100Methode zur Risikobeurteilung und Risikominderung, mit der die oben genannten Gefährdungen ermittelt werden
EN ISO 13849-1Gestaltung sicherheitsbezogener Teile von Steuerungen (Verriegelungen, Endschalter, Überlastabschaltung)
EN ISO 13850Not-Halt-Funktion
EN ISO 13854Mindestabstände zur Vermeidung des Quetschens von Körperteilen
EN ISO 14120Feststehende und bewegliche trennende Schutzeinrichtungen (Umwehrung, Fahrkorbwände)
EN 60204-1 / EN 60204-32Elektrische Ausrüstung von Maschinen, allgemein und speziell für Hebezeuge

Die ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Leitfaden zur EN 12159.

Eine tägliche Prüfung vor Arbeitsbeginn, die jeder Bediener durchführen kann

Diese Bedienerprüfungen ersetzen weder den Wartungsplan des Herstellers noch die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen:

  1. Bodenumwehrung abgehen: frei von Material, Puffer intakt, Türverriegelung funktioniert.
  2. Prüfen, dass jede Fahrkorbtür den Aufzug beim Öffnen stoppt.
  3. Beide Not-Halt-Taster prüfen.
  4. Eine Leerfahrt nach oben und zurück durchführen: auf ungewöhnliche Geräusche von Zahnstange, Ritzeln oder Rollen achten und bestätigen, dass die oberen und unteren Endschalter den Fahrkorb stoppen.
  5. Prüfen, dass das Schleppkabel sauber in seinen Führungen läuft.
  6. Prüfen, dass der Wind auf Fahrkorbhöhe unter dem Grenzwert für den Betrieb liegt (72 km/h beim SM-GTP-101). Siehe Windgrenzwerte.
  7. Jeden Mangel melden und den Aufzug außer Betrieb nehmen, bis eine befähigte Person ihn freigibt.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Fangvorrichtung an einem Bauaufzug?

Eine unabhängige, durch Übergeschwindigkeit ausgelöste Fangeinrichtung mit eigenem Ritzel an der Mastzahnstange. Fährt der Fahrkorb schneller abwärts als ihre Auslösegrenze, verriegelt sie an der Zahnstange, stoppt den Fahrkorb und unterbricht die Antriebsenergie.

Kann ein Bauaufzug abstürzen, wenn die Motorbremse versagt?

Ein ordnungsgemäß gewarteter Aufzug hat zwei unabhängige Schutzmaßnahmen. Jeder Motor hat seine eigene Federdruckbremse, und die Fangvorrichtung stoppt den Fahrkorb, wenn Antrieb oder Bremsen versagen.

Was passiert, wenn ein Bauaufzug überladen wird?

Beim SM-GTP-101 erkennt ein Kraftmessbolzen die Überlast, ein Alarm ertönt, und die Fahrt ist gesperrt, bis die Überlast entfernt ist.

Warum kann der Fahrkorb bei offener Tür nicht fahren?

Jede Fahrkorbtür und jede Tür der Bodenumwehrung ist mit einer Verriegelung im Sicherheitsstromkreis ausgestattet. Die Fahrt wird erst freigegeben, wenn alle Türen als geschlossen bestätigt sind.

Wie befreit man Personen bei einem Stromausfall aus dem Aufzug?

Die Bremsen halten den Fahrkorb automatisch. Eine unterwiesene Person senkt ihn mit der manuellen Bremslüftung – überwacht von der Fangvorrichtung – bis zur nächsten Haltestelle ab, wo die Fahrgäste normal aussteigen.

Vergleichen Sie die Sicherheitsausstattung Ihres nächsten Aufzugs

Verlangen Sie von jedem Anbieter dieselbe Liste: Welche dieser neun Systeme sind serienmäßig, welche optional, und nach welchen Normen sind sie ausgelegt? Die vollständige serienmäßige Sicherheitsausstattung des SM-GTP-101 finden Sie in seinem technischen Datenblatt (PDF).

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Quellen